DAS LEHRER-VOLK

Die Deutschen haben eine Besonderheit: Sie kommen mit einem Erziehungsauftrag zur Welt.

Kaum des Sprechens mächtig, fühlen sie sich befugt, anderen Menschen ungefragt mitzuteilen, wie man ES richtig macht.

Lustige Beispiele aus der Praxis gefällig?

 

Dreikäsehoch auf einem Pony teilt mir mit, dass ich gerade auf dem Reitweg gehe und das nicht darf.

Vierkäsehoch fragt seinen Opa, ob es erlaubt ist, seinen Hund neben dem Fahrrad herlaufen zu lassen, als ich an ihm vorbei radle. Mit Hund. An der Leine!

Ein älterer Herr mit Dackel macht mich darauf aufmerksam, dass ich meinen Hund im Wald an der Leine führen muss und dass Stöckchen werfen sehr gefährlich ist, dass ich deshalb viel besser einen Ball mitnehmen müsse, selbstverständlich in einer entsprechenden Größe, so dass der Hund ihn nicht verschlucken kann.

Tollwütige Verkehrsteilnehmer

Als ich den Fußweg mit dem Fahrrad überquere, um in eine Einfahrt einzubiegen, rennt mir ein Jogger frontal ins Fahrrad, hält meinen Lenker fest und schreit mir mit Schaum vorm Mund ins Gesicht: „WO ist der Radweg? WO ist der Radweg? WO ist der Radweg?“

Ich radle die Einbahnstraße gegen die Fahrtrichtung herunter und kassiere einen Anbrüller aus dem offenen Seitenfenster eines Mercedes: „EINBAHNSTRASSE, FROLLEIN!“ Fahrräder waren übrigens in der Gegenrichtung erlaubt, aber macht ja nix.

Erziehung im Internet

Das WWW ist ein fantastischer Schauplatz, um die Erziehungssucht der Deutschen zu beobachten. Beispiel Tierschutz.

Deutsches Tierheim berichtet über ausgesetzte Hundewelpen.

Nach 5 Minuten 150 Kommentare:

„Man sollte diese Menschen selbst aussetzen ohne Wasser und Brot.“

„Wenn ich so einen Ar*** mal erwische, hat der nix zu lachen.“

„Diese Schweine sollte man bei lebendigem Leib vierteilen.“

„Nenn sie nicht Schweine, du beleidigst Schweine, die sind so intelligent!“

„Ihr regt euch über Hundewelpen auf, dabei fresst ihr Fleisch wie die Blöden.“

„Halt die Fresse, wenn du keine Ahnung hast, ich bin Veganer, schon lange!“

„Scheiß Veganer, müssen immer alle missionieren, Pflanzen haben auch Gefühle.“

Tierschutzseite in Spanien berichtet über ausgesetzte Welpen.

Nach 5 Minuten 50 Kommantare:

„Hoffe, die Kleinen finden bald ein neues Zuhause.“

„Geteilt, viel Glück den Kleinen.“

„Wie süß, habe leider schon 15 Hunde.“

Noch ein Beispiel aus dem Tierschutz. Ein Hund wurde vermittelt und ist dem Besitzer gleich bei oder nach der Übergabe entwischt. Jetzt wird er verzweifelt gesucht.
Deutschland:

„Wie kann man nur so bescheuert und doof sein. Diese Menschen sollte nie wieder einen Hund bekommen. Es gibt doch das Sicherheitsgeschirr XYsowieso mit doppelt gesicherter Reiß- und Schleppleine, wann kapiert ihr das endlich!“

 

Ausland:

„Oh nein, meine Gedanken sind bei der neuen Familie, viel, viel Glück bei der Suche, hab’s geteilt.“

Vielleicht gibt es Ausnahmen, bei all denen möchte ich mich hiermit entschuldigen.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt

Auch ich habe dieses Erziehungsgen in mir. Das merke ich besonders im Ausland. Zum Beispiel in Amsterdam.

Dort sieht man in 10 Minuten so viele heikle Situationen mit Fahrrädern, man wartet geradezu gespannt darauf, dass sich die Beteiligten jetzt anbrüllen oder maßregeln.

Aber nichts passiert.

Man entschuldigt sich bestenfalls, grüßt, freut sich, dass nichts passiert ist und zieht seiner Wege.

Ich will auch so werden. Ich arbeite dran.

Ich übe jeden Tag.

Im Wald, in der Stadt, im Netz.

Ich gelobe Besserung.

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