Fernsehen für die Tonne

Hoffnungsträger werden in der Sendung Wunschkinder von RTL2 gezeugt und geboren. Dort lassen sich potenzielle Eltern vor laufender Kamera künstlich besamen. 

Sollte der Nachwuchs versehentlich bei der Kopulation auf einer feucht-fröhlichen Teenager-Party entstehen, so wird er voraussichtlich bei den Teeniemüttern – wenn Kinder Kinder kriegen das Licht der Welt des Beleuchters von RTL2 erblicken. Eine Neigung zum Exhibitionismus sollte man haben, immerhin hängen 1,6 Millionen Augenpaare zwischen den Beinen der Teenie-Mutter, wenn sie den zukünftigen Super-Nanny-Kandidaten auf die Welt presst.

Herzblatt war gestern.

Arme Schweine, die von Nachwuchs nur träumen können, weil sie überhaupt noch gar keinen Partner haben, angeln sich in Catch the Millionaire einen Millionär oder nehmen des Bachelors letzte Rose in Empfang.

Ganz Mutige blamieren sich in Jungfrau sucht die große Liebe. Mollige Damen finden ihr Glück beim mutigen Milch-bauern Martin. Bei Bauer sucht Frau ist Übergewicht nicht nur kein Drama, es ist ein MUSS! Mathematisches Gesetz aller Kuppelshows: minimaler IQ + maximale Körbchengröße = Sieg.[/one_half]

Zuhause im Glück.

Sohn gezeugt, Haus gebaut. Jetzt kommt das RTL2 Einrichtungskommando: In 90 Minuten ein neues Zuhause. Bröckelt nach einiger Zeit der Putz, rücken die Bauretter an und machen in wenigen Sendeminuten und ungezählten Werbeblöcken alles wieder schön.

Zuviel Fernsehen geguckt, Playstation gespielt und dabei die Wohnung vergammeln lassen? Das Messie-Team und der Trödel-Trupp entrümpeln die Bude in kurzer Zeit. Einzige Bedingung: Glückstränen nach dem letzten Werbeblock.

Die strengsten Eltern des Universums.

Falls die herangewachsenen Teeniemütter-Rabauken und Wunschkinder aus dem Ruder laufen, bieten zahlreiche Sender ganz uneigennützig Hilfsprogramme an. Folgende Härtegrade stehen zur Wahl:

 

  • Die Super Nanny: Hier lernen Eltern, dass Kinder ab und zu etwas zu essen und Frischluft benötigen. Die Kinder wiederum machen oft das erste Mal im Leben Bekanntschaft mit einer Zahnbürste. Fälle, bei denen die Super-Nanny überfordert ist, landen in der Sendung …
  • Die strengsten Eltern der Welt. Böse Kinder werden durch einen perfiden Trick (Sie glauben, sie fahren in Urlaub, chr chr chr) ans andere Ende der Welt (meistens Afrika) verfrachtet. Dort muss ein bedauernswertes Naturvolk die misslungene Brut wieder einnorden. Vor dem ersten Werbeblock motzen die Teenies nur rum. Bis zum zweiten Werbeblock wird heimlich geraucht, gekifft und getrunken. Vor dem dritten Werbeblock dann die wundersame Wandlung: Läuterung, Einsicht, Reue, Besserung. Wer den vierten Werbeblock noch mitnimmt, kann erleben, wie der reumütige Teenager nach Hause zurückkehrt und Mutti tränenreich den Beginn eines ganz neuen Lebens verkündet.
  • Jugend-Knast. Hier landen die ganz hoffnungslosen Fälle.
  • Himmlische Hilfe: Lebensberatung bei Pater Norbert ist die Höchststrafe.

Frauentausch: Schlampe gegen Putzteufel.

Der Haushalt vergammelt, der Ehepartner nervt? Frauentausch ist die Lösung! Eine Woche tauschen jeweils eine schlampige und eine penibel reinliche Hausfrau den Haushalt, inklusive Mann, Kinder und Haustier.

Dann motzt die eine, dass es voll eklig dreckig ist, die andere, dass es viel zu steril ist. Immer. Zum Schluss der Showdown: Die beiden treffen sich und keifen sich an. Anschließend sind alle froh, dass sie wieder zu Hause sind.

Das RTL2-Team führt dabei ein hartes Regie-ment. Man weiß genau, was die Zuschauer sehen wollen: Streit und Tränen. Wer nicht scheiße genug rüberkommt, wird durch fiese Untertitel und zynische Musikeinblendungen passend gemacht.

Erst am Tag nach der Sendung wird den Familien bewusst: Sie haben sich deutschlandweit so blamiert, dass sie die nächsten zwei Jahre die Wohnung nicht mehr verlassen können. Sie bewerben sich umgehend bei VOX als Kandidaten für Die Auswanderer

Kandidatenrecycling  – extrem eklig!

Auch die Kandidaten werden älter und da greift RTL2 zu echt radikalen Mitteln. In Extrem schön werden abgewrackte Frauen mit Messer und Schere wieder fernsehtauglich zurecht geschnibbelt.

Dafür zahlen sie einen hohen Preis: Sie müssen sich nämlich vor der laufenden Kamera und 1,6 Millionen Zuschauern nackt ausziehen, ihre Fettschürzen unvorteilhaft zusammenpressen und aus der Form geratene Brüste kamerafreundlich in die Länge ziehen. So soll bewiesen werden, dass eine Kernsanierung unumgänglich ist. Wer dazu noch keinen einzigen Zahn mehr sein eigen nennt, hat in diesem Sendeformat die größten Chancen. Deal!

 

Ab geht’s zum Schönheitschirurgen. In mehrstündigen Operationen wird nun abgesaugt, abgeschnitten, aufgeplustert und genäht, so lange die Narkose wirkt. Achtstündige OPs sind keine Seltenheit. No risk, no fun! Beim Blick in den Spiegel: Tränen. Immer! Dem Zuschauer wird suggeriert, es seien Tränen des Glücks. In Wirklichkeit weinen diese Menschen vor Schmerzen und Entsetzen über die meterlangen Narben und die riesigen Hämatome. Da bin ich mir sicher.

Nach 8 Wochen kehrt die Kandidatin von einem Frisör final verunstaltet zu ihrer Familie zurück. Die Kinder weinen: „Das ist nicht meine Mutti!“

Die Qual der Wahl: Villa Germania oder Promi Big Brother?

Am Ende wartet das Paradies: „Villa Germania“. Diese Senioren-Wohnanlage in Thailand ist die Endstation für verbrauchte Trash TV Kandidaten. Horst und Ingo machen uns vor, dass sich das Leben dank blutjunger Thailänderinnen auch im Alter genießen lässt. Die Thai-Dame windet sich unter der faltigen Pranke von Horst, die auf ihrem Bein ruht. Horst merkt das nicht. Thailand ist super.

Promis werden im „Promi Big Brother“-Camp verwahrt. PROMI bedeutet in diesem Fall nicht etwa prominent. Nein, es ist die Abkürzung für Person ohne Mindestintellekt. Das ist nämlich die Voraussetzung für den Aufenthalt in diesem  Endlager der Langeweile und auch der Grund dafür, dass man die Kandidaten nicht kennt.

Sterben und Erben.

Aber was ist mit Sterben? Traut sich da keiner ran? Sterben ließe sich doch so toll vermarkten: Die Sterbehelfer – Auf dem Weg ins ParadiesSterben und erben oder Death Race – Wer stirbt am schnellsten

Es kann nicht mehr lange dauern, bis Endemol mir diese Idee unter dem Hintern weg klaut. Sterben vor der Kamera – damit hätten die Trash TV Sender den Kreislauf geschlossen: Gezeugt bei den Wunschkindern, erzogen von der Super Nanny, wiederaufbereitet in Extrem schön und dann friedlich sterben bei  „Schöner sterben“. Eine perfekte Fernsehkarriere.

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